Jürgen Fitschen, HSBC, Commerzbank & Co.

Jürgen Fitschen, HSBC, Commerzbank, Swiss-Leaks

Nun auch noch Jürgen Fitschen. Auch der Co-Chef der Deutschen Bank Fitschen muss sich nun vor Gericht verantworten. Der Streit zwischen der Deutschen Bank und den Kirch-Erben geht damit medial in eine neue Runde. Seit 10 Jahren streitet das Bankhaus mit dem Medienunternehmer Leo Kirch beziehungsweise mit seinen Erben. Es geht um Geld, um Vertrauen und ums Recht.

Im aktuellen Strafverfahren wirft die Staatsanwaltschaft München Jürgen Fitschen, Josef Ackermann, Rolf Breuer, Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und einem weiterer Ex-Vorstand sowie weiteren Ex-Managern des größten deutschen Geldhauses vor, falsche Angaben gemacht zu haben, um Schadensersatzzahlungen an Kirchs Erben zu verhindern.

Doch mit dem Verfahren in München stehen nicht nur Top-Manager der Deutschen Bank vor Gericht. Denn in Medien und Öffentlichkeit könnte es um weitaus mehr gehen, als um das persönliche Fehlverhalten von Managern. Es könnte zu einer Generalabrechnung  mit dem Bankensektor werden. Denn die Anklage fällt zeitlich mit einer ganzen Reihe von Banken-Skandalen zusammen, die zusammengenommen erhebliche, mediale und politisch-gesellschaftliche Sprengkraft besitzen.

HSBC und der Swiss-Leaks Skandal

Erst vor wenigen Tagen machten mehrere Medien den Swiss-Leaks-Skandal um die HSBC öffentlich. Der ehemaligen HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani soll tausende, vertrauliche Dokumente der HSBC-Niederlassung in Genf mit dem Ziel gestohlen haben, diese für sich gewinnbringend zu verkaufen. Dabei handelt es sich um das bislang größte Datenleck der Bankenbranche. Mit der Beschlagnahmung der Daten bei Falciani stießen Steuerbehörden auf vermutliche Steuerdelikte, bei denen es in der Summe um 100 Milliarden US$ von 106.000 Kunden aus 203 Ländern geht.

Krisenpotential

Doch das eigentliche Krisenpotential für die Bankenbranche liegt im Inhalt der Dokumente. Die Namen der darin genannten HSBC Kunden lesen sich wie das Who-is-Who der weltweiten Großkriminalität. Neben Verwandten und Regierungsmitgliedern verschiedener autokratischer Regime, so z. B. Syriens Präsident Baschar al-Assad, Ägyptens Expräsident Husni Mubarak und Chinas ehemaligem Premierminister Li Peng, finden sich darin auch Verbindungen zu mutmaßlichen Blutdiamantenhändlern, Waffenschiebern, Drogenhändlern  und Terror-Sponsoren. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die HSBC vielen zwielichtigen Gestalten der weltpolitischen Bühne behilflich war, Steuern zu sparen und Geld zu verstecken, an dem mitunter Blut klebt.

Damit besteht die Gefahr, dass die Marke HSBC gedanklich gleichgesetzt wird, mit den vermeintlichen Untaten ihrer Kunden. Doch wie relevant ist diese Reputationskrise für eine Bank wie die HSBC?

Man könnte auf den Gedanken kommen, dass alle Welt, und eben auch sehr vermögende und oftmals zwielichtige Figuren aus der weltweiten Diktatoren-, Drogenhändler-, Waffenschieber- und Blutdiamanten-Szene wissen, dass Bankhäuser, vor allem schweizerische, ihre Kunden wertungsfrei und diskret behandeln. Und deshalb könnte es für die Banken irrelevant sein, was der Großteil der Menschen über sie denkt. Zumal die überwiegende Mehrheit der Menschen nicht das Vermögen besitzt, um potentielle Kunden dieser Banken zu werden.

Dem ist aber nicht so. Denn ein solchermaßen beschädigtes Image von Banken baut bei der Mehrheit der Menschen ein „wir hier unten und die da oben“-Bild auf. Dies kann in der Öffentlichkeit eine Art David-Goliath-Refelx auslösen. Und genau soetwas passiert gerade, wie das Beispiel der Oscar Gewinnerin Emma Thompsen und ihres Mannes Greg Wise zeigt. Wise bringt das Gefühl Vieler auf den Punkt: «Ich zahle keinen Penny (Steuern) mehr…. ich verachte (die) HSBC. Und bis diese Bastarde ins Gefängnis gehen, zahle ich nichts mehr.». Bürger wie Greg Wise üben zivilen Ungehorsam aus, um Druck auf politische Akteure auszuüben. Sie fordern Gerechtigkeit. Und diese Forderung hat enorme sozialpolitische Sprengkraft, denn es geht um Werte, die viele Menschen teilen. Doch die HSBC ist nicht die einzige BAnk, die derzeit Schlagzeilen macht.

Half Commerzbank beim Verstecken von Geld vor dem Fiskus?

Vor wenigen Tagen geriet die Commerzbank ins Visier. Die Bank soll angeblich ihre Kunden dabei unterstützt haben, ihr Vermögen vor dem Fiskus zu verstecken. Und auch in diesem Fall stehen Banken als Steigbügelhalter von Kriminellen dar. Für die Bankenbranche bedeutet das, dass jede weitere Enthüllung dieser Art diesen Eindruck von Banken erhärtet .

Banken in der Krise

Im Ergebnis ist diese Entwicklung in vielerlei Hinsicht besorgniserregend. Schon vor einigen Jahren forderten Experten, Banken sollten ihre ethischen Standards überprüfen und wenn nötig anpassen. Denn auch Banken sollten aus Eigeninteresse attraktiv für Arbeitskräfte sein. Denn sie sind auf qualifizierten Nachwuchs angewiesen. Und genau in diesem Punkt verlieren Banken durch solche Krisen.

Aber auch Kunden könnten sich zunhemend von besonders kritisierten Banken abwenden.  Doch die größte Gefahr für Banken geht von den Gesellschaften aus. Wenn eine relevante Anzahl an Menschen solche Geschäftspraktiken nicht mehr akzeptiert, können politische Akteure zu einer stärkeren Regulierung des Bankensektors gedrängt werden. Und das wird kaum im Sinne der Banken sein.

Auswege aus der Krise

Um diese Risiken abzuwenden bedarf es sehr viel. Banken müssten verständlich machen, wie es zu einer solchen Fehlentwicklung kommen konnte, was sie dagegen unternommen haben und warum kein Grund zur Annahme besteht, dass diese Praxis weiter fortgeführt wird. Denn Banken verkaufen an ihre Kunden einen zentralen Wert: Vertrauen. Geht dieses Vertrauen verloren, wird es für die Bankenbranche gefährlich. Gefährlich dahingehend, dass sich die Rahmenbedingungen des Marktes zu ihren Ungunsten verändern könnten, weil das von einer breiten Öffentlichkeit gefordert wird. Und wiedermal komme ich zum Schluss: Es bedarf einer geschickten Kommunikation! Eine Entschuldigung wird dazu wohl kaum reichen.

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