Merkel und der Präventivpopulismus

Merkel und der Präventivpopulismus

In seiner Kolumne auf Spiegel Online analysiert Sascha Lobo Merkels Auftritt beim Bürgerdialog mit dem Flüchtlingsmädchen Reem. Er kommt dabei zu dem richtigen Ergebnis: „Angela Merkel hätte Reem beruhigen können, selbst ein vager Hinweis auf eine Prüfung der Umstände wäre so angemessen wie unverbindlich gewesen. Stattdessen aber hat Merkel überhaupt nicht auf Reems persönliche Sorgen geantwortet – sondern auf die vermeintlichen Sorgen des TV-Publikums. In Kurzform:

  • Es überfordert uns, dass Tausende und Tausende aus den Flüchtlingslagern im Libanon kommen und alle aus Afrika.“

Ein Kommunikationsfehler der Kanzlerin. Doch was wäre die bessere Reaktion gewesen?

Die Kanzlerin hätte dem Mädchen an ihrem Beispiel unser Grundrecht auf Asyl erklären können. Sie hätte darlegen können, dass Menschen, die in ihrer Heimat verfolgt werden, in Deutschland Schutz und Zuflucht finden. Sie hätte dem Mädchen auch sagen können, dass Deutschland allerdings sehr genau prüfen muss, ob Asylsuchende tatsächlich in ihrer Heimat verfolgt werden. Denn Deutschland kann nur einer begrenzten Zahl von Menschen helfen. Die Bundeskanzlerin hätte Werbung für unseren demokratisch verfassten Rechtsstaat machen können. Und sie hätte dem Mädchen Reem Mut machen können, ohne ihren Einzelfall bewerten zu müssen.

Doch das alles hat Merkel nicht gemacht. Vielmehr nutzte sie die Gelegnheit für Präventivpopulismus, wie Sascha Lobo es nennt. Sie redete einer Angst vor Überfremdung das Wort. Doch das ist ein brandgefährliches Signal – brennende Asylbewerberunterkünfte beweisen es.

 

Peinliche CDU-Affäre um ausgedachte Klausur Noten

Der Vorsitzende der CDU/NRW und Oppositionsführer im Landtag Armin Laschet hat offenbar eine Reihe von Klausuren, die er während seiner Dozententätigkeit an Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen schreiben ließ, verloren. Erschwerend kommt nun hinzu, dass er die Noten nach eigenen Angaben Rekonstruiert hat und Studenten bewertet wurden, die die Klausur gar nicht mitschrieben.

http://www.rp-online.de/nrw/landespolitik/armin-laschet-ministerin-svenja-schulze-prueft-noten-affaere-aid-1.5136369

Für die Landesregierung ist es natürlich ein gefundenes Fressen. Lässt sich doch auf diese Weise die gesamte Glaubwürdigkeit der CDU/NRW im Hinblick auf Vertrauenswürdigkeit, Zuverlässigkeit und seröser Anwalt einer leistungsorientierten Bildungspolitik in Frage stellen.

Es stellt sich also die Frage, wie geht die CDU und ihr Vorsitzender mit der Krise um. Es gilt hier, von vornherein das Heft der Aufklärung in der Hand zu behalten und den Sachverhalt in gänze aufzuklären. Entscheidend ist, dass die Kommunikation aus einem Guss erfolgt. Ein lapidares aussitzen oder sich lediglich „zerknirscht“ zeigen, reichen  nicht aus. Die CDU liefert dann auch in Zukunft eine breite Angriffsfläche, die viele Ansätze ihrer Politik, auch wenn sie nichts mit Bildungspolitik zu tun haben, von vornherein in einem fahlen Licht erscheinen lassen. Die Frage die sich stellt, ist die Partei und ihr Vorsitzender in der Lage, aus den Kommunikationsfehlern der Vergangenheit die richtigen Schlüsse zu ziehen und schnell und professionell zu handeln!

Jürgen Fitschen, HSBC, Commerzbank & Co.

Jürgen Fitschen, HSBC, Commerzbank, Swiss-Leaks

Nun auch noch Jürgen Fitschen. Auch der Co-Chef der Deutschen Bank Fitschen muss sich nun vor Gericht verantworten. Der Streit zwischen der Deutschen Bank und den Kirch-Erben geht damit medial in eine neue Runde. Seit 10 Jahren streitet das Bankhaus mit dem Medienunternehmer Leo Kirch beziehungsweise mit seinen Erben. Es geht um Geld, um Vertrauen und ums Recht.

Im aktuellen Strafverfahren wirft die Staatsanwaltschaft München Jürgen Fitschen, Josef Ackermann, Rolf Breuer, Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und einem weiterer Ex-Vorstand sowie weiteren Ex-Managern des größten deutschen Geldhauses vor, falsche Angaben gemacht zu haben, um Schadensersatzzahlungen an Kirchs Erben zu verhindern.

Doch mit dem Verfahren in München stehen nicht nur Top-Manager der Deutschen Bank vor Gericht. Denn in Medien und Öffentlichkeit könnte es um weitaus mehr gehen, als um das persönliche Fehlverhalten von Managern. Es könnte zu einer Generalabrechnung  mit dem Bankensektor werden. Denn die Anklage fällt zeitlich mit einer ganzen Reihe von Banken-Skandalen zusammen, die zusammengenommen erhebliche, mediale und politisch-gesellschaftliche Sprengkraft besitzen.

HSBC und der Swiss-Leaks Skandal

Erst vor wenigen Tagen machten mehrere Medien den Swiss-Leaks-Skandal um die HSBC öffentlich. Der ehemaligen HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani soll tausende, vertrauliche Dokumente der HSBC-Niederlassung in Genf mit dem Ziel gestohlen haben, diese für sich gewinnbringend zu verkaufen. Dabei handelt es sich um das bislang größte Datenleck der Bankenbranche. Mit der Beschlagnahmung der Daten bei Falciani stießen Steuerbehörden auf vermutliche Steuerdelikte, bei denen es in der Summe um 100 Milliarden US$ von 106.000 Kunden aus 203 Ländern geht.

Krisenpotential

Doch das eigentliche Krisenpotential für die Bankenbranche liegt im Inhalt der Dokumente. Die Namen der darin genannten HSBC Kunden lesen sich wie das Who-is-Who der weltweiten Großkriminalität. Neben Verwandten und Regierungsmitgliedern verschiedener autokratischer Regime, so z. B. Syriens Präsident Baschar al-Assad, Ägyptens Expräsident Husni Mubarak und Chinas ehemaligem Premierminister Li Peng, finden sich darin auch Verbindungen zu mutmaßlichen Blutdiamantenhändlern, Waffenschiebern, Drogenhändlern  und Terror-Sponsoren. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die HSBC vielen zwielichtigen Gestalten der weltpolitischen Bühne behilflich war, Steuern zu sparen und Geld zu verstecken, an dem mitunter Blut klebt.

Damit besteht die Gefahr, dass die Marke HSBC gedanklich gleichgesetzt wird, mit den vermeintlichen Untaten ihrer Kunden. Doch wie relevant ist diese Reputationskrise für eine Bank wie die HSBC?

Man könnte auf den Gedanken kommen, dass alle Welt, und eben auch sehr vermögende und oftmals zwielichtige Figuren aus der weltweiten Diktatoren-, Drogenhändler-, Waffenschieber- und Blutdiamanten-Szene wissen, dass Bankhäuser, vor allem schweizerische, ihre Kunden wertungsfrei und diskret behandeln. Und deshalb könnte es für die Banken irrelevant sein, was der Großteil der Menschen über sie denkt. Zumal die überwiegende Mehrheit der Menschen nicht das Vermögen besitzt, um potentielle Kunden dieser Banken zu werden.

Dem ist aber nicht so. Denn ein solchermaßen beschädigtes Image von Banken baut bei der Mehrheit der Menschen ein „wir hier unten und die da oben“-Bild auf. Dies kann in der Öffentlichkeit eine Art David-Goliath-Refelx auslösen. Und genau soetwas passiert gerade, wie das Beispiel der Oscar Gewinnerin Emma Thompsen und ihres Mannes Greg Wise zeigt. Wise bringt das Gefühl Vieler auf den Punkt: «Ich zahle keinen Penny (Steuern) mehr…. ich verachte (die) HSBC. Und bis diese Bastarde ins Gefängnis gehen, zahle ich nichts mehr.». Bürger wie Greg Wise üben zivilen Ungehorsam aus, um Druck auf politische Akteure auszuüben. Sie fordern Gerechtigkeit. Und diese Forderung hat enorme sozialpolitische Sprengkraft, denn es geht um Werte, die viele Menschen teilen. Doch die HSBC ist nicht die einzige BAnk, die derzeit Schlagzeilen macht.

Half Commerzbank beim Verstecken von Geld vor dem Fiskus?

Vor wenigen Tagen geriet die Commerzbank ins Visier. Die Bank soll angeblich ihre Kunden dabei unterstützt haben, ihr Vermögen vor dem Fiskus zu verstecken. Und auch in diesem Fall stehen Banken als Steigbügelhalter von Kriminellen dar. Für die Bankenbranche bedeutet das, dass jede weitere Enthüllung dieser Art diesen Eindruck von Banken erhärtet .

Banken in der Krise

Im Ergebnis ist diese Entwicklung in vielerlei Hinsicht besorgniserregend. Schon vor einigen Jahren forderten Experten, Banken sollten ihre ethischen Standards überprüfen und wenn nötig anpassen. Denn auch Banken sollten aus Eigeninteresse attraktiv für Arbeitskräfte sein. Denn sie sind auf qualifizierten Nachwuchs angewiesen. Und genau in diesem Punkt verlieren Banken durch solche Krisen.

Aber auch Kunden könnten sich zunhemend von besonders kritisierten Banken abwenden.  Doch die größte Gefahr für Banken geht von den Gesellschaften aus. Wenn eine relevante Anzahl an Menschen solche Geschäftspraktiken nicht mehr akzeptiert, können politische Akteure zu einer stärkeren Regulierung des Bankensektors gedrängt werden. Und das wird kaum im Sinne der Banken sein.

Auswege aus der Krise

Um diese Risiken abzuwenden bedarf es sehr viel. Banken müssten verständlich machen, wie es zu einer solchen Fehlentwicklung kommen konnte, was sie dagegen unternommen haben und warum kein Grund zur Annahme besteht, dass diese Praxis weiter fortgeführt wird. Denn Banken verkaufen an ihre Kunden einen zentralen Wert: Vertrauen. Geht dieses Vertrauen verloren, wird es für die Bankenbranche gefährlich. Gefährlich dahingehend, dass sich die Rahmenbedingungen des Marktes zu ihren Ungunsten verändern könnten, weil das von einer breiten Öffentlichkeit gefordert wird. Und wiedermal komme ich zum Schluss: Es bedarf einer geschickten Kommunikation! Eine Entschuldigung wird dazu wohl kaum reichen.

Umgang mit Pegida – diskutieren oder ignorieren?

Sollen deutsche Politikerinnen und Politiker mit Pegida sprechen? Auch mit dem sogenannten „Orga-Team“ um Kathrin Oertel http://de.wikipedia.org/wiki/Kathrin_Oertel ? Oder nur mit den Wutbürgern Dresdens, Leipzigs und anderer Städte? Oder sollen die …gidas mit Nichtachtung gestraft werden – frei nach Josef Degenhardt: „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“? Diese Kommunikationsfragen beschäftigen derzeit deutsche Politik-Akteure aller etablierten Parteien sowie die deutsche Öffentlichkeit.

Pegida – Trojanisches Pferd mit Extremisten im Bauch?

Den politischen Entscheidern geht es bei der Frage der Kommunikation vor allem darum, ob und wie sie mit einer Bewegung umgehen sollen, unter deren Deckmantel Rechtsextremisten, Nazis und sonstige, abseits der Verfassung wabernde Geister mitsegeln. So war beispielsweise beim Aufmarsch des bayerischen Pegida-Ablegers Bagida in München, ein Angeklagter im NSU-Prozess mit von der Partie:
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/pegida-ableger-in-muenchen-bagida-als-szenetreff-fuer-neonazis-1.2302341
Und liest man die Einsatzberichte von Sicherheitsbehörden wird schnell klar, dass bei Versammlungen von Pegida, Bagida & Co. das „Who is Who“ der rechten Szene mitläuft. Welchen Einfluß diese Kreise auf die Führung der deutschen …gidas haben, bleibt auch für politische Entscheidungsträger undurchsichtig und damit unkalkulierbar.

Doch auch den letzten, die Deutschlandfahne schwenkenden und „Lügenpresse“ skandierenden Versammlungsteilnehmerinnen und -teilnehmern aus der sogenannten bürgerlichen Mitte muss mittlerweile klar sein: Jede Person, die ihre Kritik an der Politik durch die Teilnahme an einer …gida-Demonstration ausdrücken möchte, macht sich gemein mit Neonazis, Rechtsextremisten und Rechtsterroristen.
http://www.welt.de/regionales/bayern/article136461123/Bei-Pegida-versammeln-sich-Bayerns-Neonazis.html
Ein Indiz spricht sogar für die gedankliche Nähe von Demonstranten und Extremisten: Weder von Seiten der Demonstrierenden, noch von den Versammlungsleitungen wurde bislang der Versuch unternommen, Extremisten von der Versammlung auszuschließen. Wo doch gerade die Versammlungsleitung und die Ordner sich zur Durchsetzung dieses Rechtes an die zahlreich anwesende Polzei hätten wenden können. Vielmehr verschließen Veranstlater wie Birgit Weißmann die Augen und behaupten: „Ich habe keine Gruppe von Nazis wahrgenommen“: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/islamfeinde-in-muenchen-wie-bagida-den-nazis-auf-die-spruenge-hilft-1.2303195

Kontroverses Kommunikationschaos der GroKo

Quer durch die Parteienlandschaft sind sich deutsche Politikerinnen und Politiker uneinig, wie mit dem Phänomen Pegida umgegangen und vor allem ob und wie mit den …gidas kommuniziert werden soll. Auch die regierenden Parteien der großen Koalition haben Schwierigkeiten, eine eindeutige Kommunikationslinie zu finden. Das sorgt in aufgewühlten Zeiten wie diesen für Verunsicherung. Gerfagt wäre jetzt eine klare Haltung, Führungsstärke und Überzeugungskraft.

SPD

Einige SPD-Akteure, wie die Generalsekretärin Yasmin Fahimi, positionieren sich klar gegen jede Kommunikation mit Pegida: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-spd-generalsekretaerin-fahimi-lehnt-dialog-ab-a-1013777.html
Problematisch ist daran allerdings die Begründung. Yasmin Fahimi führt zur Ablehnung des Dialogs zwischen SPD und Pegida an, dass sie von Pegida-Anhängern Briefe mit beleidigendem Inhalt erhielt.

Aus Sicht eines Kommunikationsberaters halte ich Fahimis Argumentation für unglücklich. Denn sie erweckt dadurch den Eindruck, unsouverän zu sein. Eine Generalsekretärin einer Volkspartei muss es aushalten, dass sie beschimpft wird. Im Zweifel kann sie die Absender der Briefe anzeigen. Doch sie sollte es vermeiden, ihre perönliche Betroffenheit als Grundlage ihres Handelns als Generalsekretärin zu machen.

Für problematischer halte ich aber, dass Fahimi ihrem Parteifreund und Außenminister Frank-Walter Steinmeier in die Parade fährt: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-steinmeier-sieht-deutschlands-ansehen-in-der-welt-beschaedigt-a-1014850.html

Doch den kommunikativen Vogel schoß Vizekanzler Sigmar Gabriel mit seinem Auftritt als „Privatmann“ bei einer Diskussionsveranstaltung mit Pegida-Anhängern in Dresden ab: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-sigmar-gabriel-diskutiert-in-dresden-mit-anhaengern-a-1014783.html#ref=plista

Ein Vizekanzler wird während seiner Amtszeit niemals als Privatmann wahrgeommen. Er wird immer in seiner Funktion als Vizekanzler auftreten. Das ist die Last des Amtes. Und umso sensibler muss der Amtsträger damit umgehen, wie auch Kommentare zeigen: http://www.fr-online.de/pegida/pegida-versteher-gabriel-siggis-signal,29337826,29658670.html

Alles in allem liefert die SPD ein unklares Bild über ihre Haltung zu Pegida ab: http://www.tagesschau.de/inland/pegida-gabriel-103.html

CDU/CSU

Das wird von der CSU gleich ausgenützt. Horst Seehofer distanziert sich von Gabriels Privatmann-Auftritt: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/seehofer-distanziert-sich-von-gabriels-pegida-dialog-a-1015001.html
Doch die Linie der Union im Umgang mit Pegida ist ebenso verwirrend wie die des Koaltitionspartners SPD. Während Gabriel sich von Seehofer Kritik anhören muss, erntet er von Bundesinnenminister Thomas de Maizière Zuspruch.

Und manche Unions-Politiker geraten auf dem glatten Pegida-Eis ganz gehörig ins Schlingern, wie CDU-Vize Julia Klöckner. In einem Interview sagte sie: „Ich mag natürlich auch keinen, der sich mit einem Hitlergruß ablichten lässt und Anführer einer Pegida-Demonstration ist. Dennoch ist das Recht auf freie Meinungsäußerung, auch wenn einem die Inhalte nicht gefallen, grundlegend für unsere freie Gesellschaft.“

Damit rückt sie einen Hitlergruß (strafbar als Volksverhetzung) in die Nähe einer von der Meinungsfreiheit gedeckten Äußerung: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/hitlergruss-opposition-wirft-julia-kloeckner-verharmlosung-vor-a-1015264.html
und http://www.bild.de/politik/inland/julia-kloeckner/cdu-vize-irritiert-mit-hitler-vergleich-39519782.bild.html

Und die Kanzlerin?

Angela Merkel äußert sich erstaunlich deutlich zu Pegida: http://www.tagesspiegel.de/politik/neujahrsansprache-der-kanzlerin-angela-merkel-warnt-vor-hass-im-herzen-bei-pegida/11173728.html
und http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-proteste-angela-merkel-verurteilt-fremdenfeindlichkeit-a-1008576.html
Doch es besteht die Gefahr, dass die Uneinigkeit im Kommunikationsverhalten in der von ihr geführten Regierung, letztlich als Führungsschwäche der Bundeskanzlerin wahrgenommen werden könnte.

Lösungsansatz

Mit folgendem Kommunikationsansatz sollen politische Akteure mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen, ohne dass dabei eine der Seiten aufgrund der oben beschriebenen Konfusionen, diskreditiert wird.

Die Demokratie lebt vom Streit. Solange Menschen miteinder streiten und um die bestmögliche Lösung ringen, solange ist die Demokratie lebendig. Deshalb ist die Auseinandersetzung mit den Sorgen, Ideen, Ängsten und Nöten derjenigen, die mit Pegida sympathisieren, das Gebot der Stunde.

Doch andererseits sehen es einige politische Akteure auch als sinnlos an, sich mit Rechtsextremisten argumentativ auseinanderzusetzen.

Deshalb könnte eine Lösung darin liegen, dass politische Entscheider mit der Bevölkerung in Dialog treten. Darunter können dann auch Sympathisanten von Pegida sein. Doch die betroffenen Politikerinnen und Politiker müssten sich nicht entscheiden, ob es oportun ist mit Pegida zu reden oder nicht.  Denn es wäre ja kein Gespräch ausschließlich mit Pegida, sondern mit allen Menschen, die sich beteiligen möchten.

Coaching – eine Form der Krisenprävention

Krisenprävention beginnt beim Coaching von Managern. Denn häufige ist deren 
mangelndes Fehlerbewußtsein die eigentliche Ursache von Reputationskrisen.
In seinem lesenswerten Beitrag mit dem Titel "When a Public Mistake Requires 
an Old-Fashioned Apology" beschreibt Ron Ashkenas, welche Haltung erforderlich ist, um nachhaltige Krisenprävention zu betreiben.
https://hbr.org/2015/01/when-a-public-mistake-requires-an-old-fashioned-apology

Gerade bei Reputationskrisen, ausgelöst durch unglückliche Äußerungen von 
Unternehmenslenkern, liegt das eigentliche Problem häufig nicht daran was geseagt wurde. Zentraler ist die dahinterstehende Geisteshaltung.
Ashkenas stellt einen etwas anderen Fokus auf des Thema Krisenkommunikation und Krisenprävention vor. Er rückt dabei die Person der Unternehmensführer in den Fokus. Und Ashkenas beschreibt, wie Entschuldigungen kommuniziert werden sollten, damit sie authentisch wahrgenommen werden.

Litigation-PR: Alles was Recht ist

Herausgegeben von Lars Rademacher und Alexander Schmitt-Geiger

Litigation-PR: Alles was Recht ist
Zum systematischen Stand der strategischen Rechtskommunikation
2012. 372 S. mit 9 Abb. u. 11 Tab. Br. EUR 39,95 ISBN 978-3-531-18201-8

http://www.amazon.de/Litigation-PR-Alles-systematischen-strategischen-Rechtskommunikation/dp/3531182013/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1419254796&sr=8-1&keywords=schmitt-geiger

Der programmatische Sammelband fasst die aktuelle Diskussion um die Bedeutung
und Funktion der strategischen Rechtskommunikation zusammen. Ausgehend vom amerikanischen
Vorbild hat sich die Öffentlichkeitsarbeit in und um Gerichtsverfahren in Deutschland
und Europa deutlich professionalisiert und ausgeweitet – auch auf Staatsanwaltschaften und
Gerichte. Im vorliegenden Band kommen wichtige Vertreter der theoretischen Fundierung und
Weiterentwicklung des Feldes ebenso zu Wort wie die führenden Stimmen der Praxis auf Seiten
des Journalismus, der Staatsanwaltschaften bzw. Gerichte und der Beratung. Damit liefert das
Buch die erste umfassende Darstellung des Status quo der Litigation-PR im deutschen Sprachraum.
Englischsprachige Abstracts und ein Stichwortverzeichnis machen den Band auch als
Nachschlagewerk nutzbar.

Mit Beiträgen von Alice Schwarzer, James Haggerty, Ines Heinrich, Mark Eisenegger, Hans Mathias
Kepplinger, Volker Boehme-Neßler, Joachim Jahn, Brigitte Koppenhöfer, Ansgar Thiessen, Alexander
Bräuning, Gerson Trüg, Marco Mansdörfer, Andreas Köhler, Nadine Remus, Dietrich Schulze van
Loon, Tom Oldebrecht, Martin Huff, Ulrike Penz, Hartwin Möhrle, Stephan Holzinger, Alexander
Unverzagt, Claudia Gips, Peter Zolling, Anton Bühl, Patricia Langen und Per Christiansen.

Inhalt
Grundlagen.- Spezifische und empirische Aspekte der Litigation-PR.- Herausforderungen der
Praxis.- Perspektiven.

Herausgeber
Dr. Lars Rademacher ist Professor für Medienmanagement, insbesondere PR/Kommunikationsmanagement,
an der MHMK Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in München,
wo er den Forschungsschwerpunkt „Professionelle Rechtskommunikation“ leitet.
Alexander Schmitt-Geiger ist Berater für Public Affairs und Litigation-PR in München und Inhaber
des Beratungsunternehmens COMMUNICATION PUBLIC AFFAIRS.

Handbuch Krisenmanagement

Das Handbuch Krisenmanagement ist das zentrale Nachschlagewerk für post-modernes Krisenmanagement.

http://www.amazon.de/Handbuch-Krisenmanagement-Ansgar-Thie%C3%9Fen/dp/353119366X

Erstmalig widmet sich ein Band derart umfassend aus Theorie und Praxis neuen Erkenntnissen und Entwicklungen im Krisenmanagement. Während Krisen lange mit Handbüchern, Massenkommunikation, vorgefertigten Prozessen oder externen Beratern begegnet wurden, stehen heute Themen wie Agilität, Erfahrungswissen, Netzwerk- und Entscheidungsfähigkeit sowie das durchdachte Management von Ansprüchen einzelner Meinungsführer im Vordergrund.

Insgesamt leisten 30 Autoren, die dieses post-moderne Krisenmanagement mit geprägt haben, systematisierende Beiträge und entfalten das Thema in vier inhaltlichen Feldern:

–  den Grundlagen als Fundament für die für das Krisenmanagement zentralen Denkweisen (Strategie, Krise, Stakeholder Management, Reputation und Krisenmanagement/Krisenkom­mu­nikation),

–  den Strukturen des Krisenmanagements (Krisenbewältigung, Krisenwahrnehmung, Interorganisationsbeziehungen und Kulturphänomene sowie die Anspruchsgruppen Medien, Mitarbeiter und Juristen),

–  den Handlungsfeldern mit den in Krisen zentralen Bereichen unternehmerischer Entscheide (Management, Aufsichts-/Verwaltungsrat, Rechtsabteilung und Kommunikationsabteilung) und

–  den Grenzen des Krisenmanagements – ob durch funktionale Transparenz gesteuert oder durch Mechanismen öffentlicher Wahrnehmung ungewollt aufgezeigt.

Mit Beiträgen von Anfried Baier-Fuchs, Olivier Berthod, Nanette Besson, Timothy Coombs, Jesper Falkenheimer, Mats Heide, Olaf Hoffjan, Thorsten Hofmann, Kurt Imhof, Joachim Klewes, Ulrich Krystek, Joachim Kuss, Mischa Lentz, Klaus Lintemeier, Klaus Merten, Hartwin Möhrle, Gordon Müller-Seitz, Simone M. Ostermann, Dirk Popp, Matthias Prinz, Juliana Raupp, Martin Riecken, Swaran Sandhou, Victor Schmid, Alexander M. Schmitt-Geiger, Georg Schreyögg, Frederike Schultz, Jörg Sydow und Armin Töpfer.

Cyberangriffe als schwer zu kontrollierende Imagebedrohung!

Hackerangriffe auf Unternehmen der verschiedensten Branchen sind kein neues Phänomen. Im Gegenteil. Zunehmend lässt sich aber beobachten, dass eine solche Attacke zu einem massiven Reputationsschaden für das Unternehmen führen kann.
http://www.wiwo.de/technologie/digitale-welt/cyber-krieg-die-groessten-hacker-angriffe-aller-zeiten/7814454.html?slp=false&p=3&a=false#image
http://www.zeit.de/digital/2014-10/hacker-angriff-is-botschaften
http://themen.t-online.de/news/hacker

Die Hacker Attacke auf Sony Pictures ist ein vorläufiger Höhepunkt. Der Verlust großer Datenmengen durch Telekommunikationsunternehmen, Onlineshops und der Zugriff durch Geheimdienste durch eine zum Teil fahrlässige Speicherung vertraulicher Daten auf Servern in unsicheren Staaten verunsichern zunehmend die Verbraucher.
Wer vertraut seine persönlichen Daten einem Unternehmen an, wenn man sich nicht sicher sein kann, dass diese dort auch sicher sind!? Eine hundertprozentige technische Sicherheit wird es natürlich niemals geben. Die Frage ist aber, wie gehen betroffene Unternehmen kommunikativ mit diesen Risiken um?
Aufgrund der schwierig zu vermittelnden technischen Hintergründe, sollte hier schon im Vorfeld noch intensiver Krisenszenarien entwickelt werden und die Zuständigkeiten klar geregelt sein. Das erfährt vor allem deswegen schon eine Brisanz, als dass bei einer Kaperung der Website, dieser Kanal zur Kommunikation möglicherweise nicht mehr offen steht. Im Gegenteil! Möglicherweise werden hier auch bewusst Falschmeldungen durch den Angreifer verbreitet. Die Vorbereitung alternativer Kommunikationskanäle ist hier von entscheidender Bedeutung.

Alles in Allem zeigt sich, dass neben den klassischen Krisen in Unternehmen, die „Cyberkrise“ eine relativ neue und noch unterschätzte Krise darstellt auf die sich Unternehmen aller Branchen und Größenordnungen vorbereiten müssen und Ihre Kommunikationsprozesse speziell auch auf diese besondere Art der Krise anpassen müssen.

Tierquälerei bei Wiesenhof-Zulieferer – Enten werden mit Mistgabel erschlagen

Der Fall

Ein neuer Fall von Tierquälerei ist in den Medien. In einem Entenmastbetrieb, einem Zulieferer von Wiesenhof,  werden Tiere auf brutale Weise getötet. Das Verhalten ist wohl auch strafrechtlich relevant. Eine Tierschuitzorganisation filmte solche Szenen und Spiegel Online berichtet nun.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/wiesenhof-zulieferer-arbeiter-erschlagen-enten-mit-mistgabel-a-1009273.html

Wie reagiert Wiesenhof?

Die „aktuellste“ Meldung im Newsroom der Unternehmensseite stammt vom 04. September 2013!

http://www.wiesenhof-news.de/aktuelle-meldungen/

Ansonsten findet sich kein Wort zu den Vorwürfen. Auch nicht auf der Startseite.

http://www.wiesenhof-online.de/

Bewertung der Krisenkommunikation

Das eine der führenden Geflügelfleisch-Produzenten von Tierschützern angegriffen wird, ist wahrscheinlich und  voraussehbar. Um die Marke Wiesenhof vor einem Reputationsschaden zu schützen, wäre zumindest eine Erklärung auf der Homepage notwendig. Selbst wenn Wiesenhof zur Sache (noch) nichts sagen kann, hätte das Unternehmen mitteilen können, dass sie beispielsweise an der Aufklärung des Sachverhaltes arbeiten, die verantwortlichen Personen um Erklärungen bitten. Und natürlich muss Wiesenhof seinen Stakeholdern mitteilen, dass sie sich bei der Produktion an geltendes (Tierschutz)recht halten.

Ich bekomme den Eindruck, dass Tierschutzorganisationen gerade recht erfolgreich ihre Themen in die Medien bringen. Die Häufung der Berichterstattungen bzw. der aufgedeckten Skandale lässt auf eine gezielte Kampagne schließen – was jedoch in keiner Weise die einzelnen Verstöße gegen geltendes Recht relativiert. Am Ende könnte das Ganze Auswirkungen auf die Ganze Fleisch-Branche haben. Von verschärften Gesetzen bis zu schärferen Kontrollen ist vieles denkbar. Bin gespannt, wie sich die Sache entwickelt.